Website-Audit erstellen: die 7 Checks, die wirklich zählen
Ein gutes Website-Audit braucht keine 50 Kriterien. Es braucht die sieben, die darüber entscheiden, ob ein Betrieb Besucher verliert, Vertrauen verspielt oder rechtlich angreifbar ist.
Genau diese sieben Checks laufen bei Qualifyr automatisiert gegen die Websites lokaler Betriebe, jeden Tag, über ganze Regionen. Dieser Artikel legt das System offen: jeden Check, seine Schwellenwerte und wie du ihn in unter einer Minute selbst prüfst.
Und am Ende siehst du an einem echten Beispiel, wie aus so einem Audit ein Gesprächsöffner wird, der dir als Agentur Aufträge bringt.
Warum sieben Checks reichen
Die meisten Audit-Tools werfen dir 80 Metriken vor die Füsse. Crawl-Tiefe, Heading-Hierarchie, Alt-Attribute. Alles legitim. Aber ein Geschäftsführer, der seit 2015 dieselbe Website hat, kann damit nichts anfangen.
Kurze Antwort: Ein Audit, das verkaufen soll, muss genau drei Fragen beantworten. Verliert die Seite Besucher? Verliert sie Vertrauen? Ist sie rechtlich angreifbar?
Dafür reicht ein einfaches Punktesystem:
- ✓Jede Website startet mit 100 Punkten.
- ✓Vier Checks kosten bei Versagen Punkte: Ladezeit, Design, Seitentitel, Hauptüberschrift.
- ✓Drei Checks sind K.O.-Kriterien: keine Verschlüsselung, keine mobile Darstellung, kein Impressum. Wer hier durchfällt, hat dringenden Handlungsbedarf, egal wie viele Punkte übrig bleiben.
- ✓Unter 60 Punkten oder mit einem K.O. gilt eine Website als akut behandlungsbedürftig. In unserem System heisst so ein Betrieb Hot Lead.
Das versteht jeder Entscheider in zehn Sekunden. Und genau darum geht es: Ein Audit ist kein Technik-Dokument. Es ist ein Verkaufsargument mit Belegen.
Check 1: Verschlüsselte Verbindung (K.O.)
Läuft die Website über HTTPS? Wenn nicht, zeigen Chrome, Safari und Firefox jedem Besucher eine Warnung: Nicht sicher. Direkt in der Adresszeile, neben dem Firmennamen.
In einer Minute selbst geprüft: Tippe die Adresse bewusst mit http:// statt https:// ein. Leitet die Seite automatisch auf die verschlüsselte Version um? Erscheint das Schloss-Symbol? Wenn nein: durchgefallen.
Für den Betrieb heisst das: Besucher zögern, Formulare wirken riskant, und Google stuft unverschlüsselte Seiten seit Jahren ab. Ein SSL-Zertifikat kostet heute nichts mehr. Dass es fehlt, ist das deutlichste Signal, dass sich niemand um die Website kümmert.
Check 2: Mobile Darstellung (K.O.)
Mehr als die Hälfte der Besuche auf Websites lokaler Betriebe kommt vom Handy. Eine Seite, die dort nicht funktioniert, verliert also nicht ein paar Besucher. Sie verliert die Mehrheit.
In einer Minute selbst geprüft: Öffne die Seite auf dem Handy. Musst du mit zwei Fingern zoomen, um etwas zu lesen? Ragt der Inhalt seitlich raus? Dann fehlt fast immer das viewport-Meta-Tag, das technische Fundament jeder mobilen Darstellung. Genau darauf prüfen wir automatisiert.
Das ist ein K.O.-Kriterium, kein Punktabzug. Eine Desktop-only-Website im Jahr 2026 ist wie ein Ladenlokal, dessen Tür für die Hälfte der Kundschaft klemmt.
Check 3: Impressum (K.O.)
In Deutschland und Österreich ist das Impressum für geschäftliche Websites Pflicht, und Verstösse werden abgemahnt. In der Schweiz verlangt das UWG bei Online-Angeboten klare Anbieterangaben. Unabhängig vom Paragrafen gilt: Ein Betrieb ohne Impressum wirkt anonym, und anonym verkauft schlecht.
In einer Minute selbst geprüft: Scrolle in den Footer. Gibt es einen Link namens Impressum? Falls nicht, probiere domain.ch/impressum direkt. Nichts da? Durchgefallen.
Im Audit-Gespräch ist das der stärkste Aufhänger überhaupt: kein Geschmacksurteil, sondern ein konkretes Risiko mit Datum und Unterschrift.
Check 4: Mobile Ladezeit (bis 20 Punkte Abzug)
Wir messen den LCP, den Moment, in dem der grösste sichtbare Inhalt geladen ist. Google nennt bis 2,5 Sekunden gut. Unsere Abzugsschwelle liegt bewusst milder bei 4 Sekunden: Wer sie reisst, hat ein Problem, das man nicht wegdiskutieren kann.
In einer Minute selbst geprüft: Öffne pagespeed.web.dev, gib die Adresse ein und schau auf den Mobil-Wert für Largest Contentful Paint. Kostenlos, direkt von Google, und du bekommst die Ursachen gleich mitgeliefert.
Typische Befunde bei veralteten Seiten: unkomprimierte Fotos in Originalgrösse, uralte Slider-Plugins, kein Caching. Alles Dinge, die eine Agentur in Tagen behebt und die sich in Sekunden messen lassen. Vorher, nachher, schwarz auf weiss.
Check 5: Design (bis 25 Punkte Abzug)
Design klingt nach Geschmack. Ist es aber nicht, wenn man die richtige Frage stellt: Würde ein Fremder dieser Firma nach drei Sekunden auf der Startseite Geld überweisen?
Bei Qualifyr bewertet ein KI-Vision-Modell einen Screenshot jeder Startseite auf einer Skala von 0 bis 10: Layout, Kontrast, Lesbarkeit, erkennbare Handlungsaufforderung. Unter 5 von 10 gibt es 25 Punkte Abzug, den grössten im ganzen System. Denn nichts kostet mehr Vertrauen als ein Auftritt, der nach 2010 aussieht.
In einer Minute selbst geprüft: Mach einen Screenshot der Startseite und zeig ihn jemandem, der die Firma nicht kennt. Eine Frage: Wirkt das aktuell oder alt? Du brauchst keine Checkliste, um die Antwort zu deuten.
Check 6 und 7: Seitentitel und Hauptüberschrift (je 10 Punkte Abzug)
Der Seitentitel ist die Zeile im Browser-Tab und die blaue Überschrift im Google-Ergebnis. Steht dort nur Startseite oder Willkommen, verschenkt der Betrieb seinen wichtigsten Google-Platz an ein Füllwort.
Die Hauptüberschrift, technisch H1, ist das Erste, was Besucher und Suchmaschinen auf der Seite lesen. Fehlt sie, versteht Google die Seite schlechter, und Besucher wissen nicht in einer Sekunde, wo sie gelandet sind.
In einer Minute selbst geprüft: Den Titel siehst du direkt im Browser-Tab. Für die H1 drücke Ctrl+U für den Quelltext und suche nach <h1. Kommt nichts, fehlen 10 Punkte.
Ein echtes Beispiel: 45 von 100
So sieht das System angewendet aus. Ein typischer Betrieb, Website zuletzt 2015 angefasst: Design-Bewertung 3 von 10, das kostet 25 Punkte. Mobile Ladezeit 6,2 Sekunden, weitere 20 weg. Als Seitentitel steht nur der Firmenname ohne Ort und Leistung, noch einmal 10 Punkte. Macht 45 von 100. Dazu zwei K.O.-Kriterien: kein SSL, kein Impressum.
Genau diesen Fall kannst du dir als fertiges Audit ansehen: Beispiel-Audit als PDF. Vier Seiten, jede Zahl hergeleitet, jeder Befund mit Empfehlung. Der Betrieb darin ist fiktiv, das Format ist das echte.
Ein Betrieb, der seit zehn Jahren nichts an seiner Website geändert hat, ist kein hoffnungsloser Fall. Er ist dein bester Interessent.
Vom Audit zum Auftrag
Der grösste Fehler im Pitch: sagen, die Website sei schlecht. Das ist eine Meinung, und gegen Meinungen wehrt man sich. Ein Audit dreht das Gespräch: Hier sind sieben Prüfpunkte, hier ist Ihr Ergebnis, hier steht, was jeder Punkt kostet.
Wichtig dabei: Du verschickst den Report selbst, unter deiner Marke, an Betriebe, die du bewusst auswählst. Das hält die Ansprache persönlich und sauber. Ein PDF mit konkreten Befunden ist dabei ein anderes Kaliber als eine Kaltakquise-Mail mit Textbausteinen.
Von Hand schaffst du mit den sieben Checks etwa vier Websites pro Stunde. Das reicht für eine Handvoll Wunschkunden. Für eine ganze Region reicht es nicht, und genau dort setzt die Automatisierung an: Qualifyr prüft alle Betriebe einer Branche und Region, berechnet die Scores und erstellt die Reports in deinem Branding. Du konzentrierst dich auf die Gespräche.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Website-Audit von Hand?
Mit den sieben Checks aus diesem Artikel etwa 15 Minuten pro Website, inklusive Notizen. Das funktioniert gut für eine Handvoll Wunschkunden. Bei hunderten Betrieben einer Region ist Automatisierung der einzige realistische Weg.
Welche Tools brauche ich für ein eigenes Audit?
Ein Browser reicht fast: HTTPS, Impressum, Titel und H1 prüfst du direkt. Für die Ladezeit nutzt du pagespeed.web.dev von Google, kostenlos und ohne Anmeldung. Nur die Design-Bewertung braucht ein zweites Augenpaar oder ein KI-Modell.
Was ist ein guter Website-Score?
Im Qualifyr-System gilt: 80 und mehr ist eine solide Basis, unter 60 heisst dringender Handlungsbedarf. K.O.-Kriterien wie fehlendes SSL oder fehlendes Impressum wiegen unabhängig vom Punktestand schwer, weil sie Vertrauen und Recht betreffen.
Darf ich einem fremden Betrieb ungefragt ein Audit schicken?
Im B2B-Umfeld ist eine persönliche, sachliche Ansprache mit erkennbarem Bezug zum Betrieb etwas anderes als Massenwerbung. Wähle Betriebe bewusst aus, verschicke den Report unter deinem Namen und halte dich an die Regeln deines Landes. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel kurz prüfen lassen.
Romano Kluge baut Qualifyr, das automatisierte Audit-Tool für Webdesign-Agenturen. Die Checks aus diesem Artikel laufen dort täglich gegen echte Websites lokaler Betriebe.
Du willst nicht 200 Websites von Hand prüfen?
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